Mittwoch, 31. Juli 2013

Centralasia: Kazakhstan & Kyrgyzstan


Hallo zurück! :) Eines vorweg - bitte entschuldigt, die teilweise seltsame Formatierung. Wir haben nicht immer gute Internetverbindung oder oft überhaupt keine und müssen daher unseren Blog offline vorschreiben. Online den Text reinkopieren mag dieses Programm aber leider gar nicht...viel Spaß beim Lesen! :)

Jonathan: 
Von der Zeit in Kasachstan haben wir nicht so viele Bilder. Das liegt wohl daran, dass wir verhältnismäßig wenig erlebten. 
Eine Woche verbachten wir in Almaty bei Almas, ein sehr netter Kasache und selbst ein Weltenbummler. Danach zogen wir uns in die Berge zurück. Ein Versuch Kasachstan per Autostop, oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden, endete am See von Kapchagai. Weiter kamen wir nicht. Die Taxis verlangen einen extra Touristenpreis und die Buse fahren, (wenn sie fahren) nur sehr selten. Kurz gesagt Ausländerfreundlich ist das System der öffentlichen Verkehrsmittel in Kasachstan nicht. 
Entspannen am See von Kapchagai, Kazakhstan
Das neuntgrößte Land der Welt besteht fast nur aus Wüste und Steppe. Nur im Süden gibt es hohe Berge, Seeen, Canyons und Bäume! Keine Selbstverständlichkeit in diesem Land.
Almaty ist die kulturelle Hauptstadt Kasachstans. Die Stadt liegt viertausend Meter hohen Bergen zu Füßen. Ihr Wahrzeichen ist ein Apfel!
Von den Kasachen können wir sagen, dass sie sehr nette Menschen sind, hilfsbereit und immer freundlich. Abgesehen von jenen, die mit Menschen ihr Geld verdienen (Taxi,- Busfahrer...)

Bazar in Almaty, Kazakhstan
Nach unserem Versuch in das weite Land hinaus zu fahren sind wir wieder in unser "Base camp" zurück in die Berge hinter Almaty. Ein alter Bus tuckert für 80 tenge (ca 40 cent) hinauf. Offiziell alle 30 Minuten aber eigentlich sucht sich der Busfahrer die Fahrzeiten selbst aus. Einmal ist der Bus kaputt, dann ist das Wetter schlecht....
Wir hatten viel Zeit in Kasachstan und das macht uns kreativ: Um die Menschen ohne Worte auf ihren schlechten Umgang mit dem Müll aufmerksam zu machen bauten wir Landart Kunstwerke. Ich hoffe sie stehen noch immer. Wir mussten am eigenen Leibe erfahren wie es ist einen heiß geliebten Platz auf einmal völlig verschmutzt vor zu finden. Dieses Ereignis veranlasste uns zu den Kunstwerken.

Ein Kunstwerk gegen die Umweltverschmutzung, Kazakhstan
Morgentliche Überaschung in den Bergen von Kasachstan
Ich konnte es gar nicht erwarten endlich das Indien Visum abzuholen. Um dann sobald wie möglich nach Kirgistan zu fahren. Die letzten zwei Nächte in Kasachstan hausten wir in der Wohnung von Alex einem jungen Bergsteiger, den wir auf einer Bushaltestelle kennengelernt haben, als wir wiedermal vergeblich auf den Bus warteten. Er war uns sehr dankbar, denn endlich fand er Menschen, mit denen er Englisch praktizieren konnte. Und wir waren noch viel dankbarer, weil seine Wohnung nicht weit vom Busbahnhof gelegen ist und weil er uns noch schöne Flecken von Almaty zeigte. Also hatten wir einen netten Abschied aus Kasachstan.

In Kirgistan landeten wir im "Nomadshome hostel" eine Ort, an dem es nur so von Abenteurern und Weltreisenden wimmelt. Das Beste was man hier machen kann ist sich einfach an den Tisch zu setzen und den spannenden Geschichten zu zuhören. Hier werden viele Fragen beantwortet und Erfahrungen über Strecken, über Material, über Menschen, über Visumanträge, einfach über alles was einen Reisenden interessiert, ausgetauscht. Ein guter Startpunkt für unsere Odyssee durch Kirgistan.
Angefangen hat die Odyssee mit einem enormen Erfolg: Die Besteigung des Peak Utschitel (4540), mit Abstand der höchste Berg in unserer Bergsteigerkarriere! Dank der zwei Frauen aus Österreich und der Schweiz, die wir im Hostel kennen gelernt hatten konnten wir es wagen, mit unserer fragwürdigen Ausrüstung so weit hoch zu klettern. Nach der Besteigung ging es zu Lola eine nette Internet-bekanntschaft (Couchsufing) in ein kleines Dorf nahe Bischkek, und dann ging es richtig los: Kaum waren wir etwas weiter außerhalb der Hauptstadt wurden wir eingeladen in einer Jurte zu nächtigen. Unseren Gastgeber lebten von ihren Pferden und Schafen. Den Sommer verbringen sie immer auf knapp 3000m Höhe in einem traumhaften Tal in ihrer Jurte. Sie verkaufen Kumus ( gegorene und gesalzene Stutenmilch), Käse (Kurt) und wahrscheinlich Schafwolle, Pferde und hier und da auch etwas Fleisch.
Durch Wind und Wetter auf den Utschitel (4540), Kyrgyzstan
Per Anhalter ging es weiter in den Süden. Ziel war das Base Camp vom Pik Lenin (7134) im nördlichen Teil des Pamirgebirge. Der Berg erhebt sich über einem riesigen Tal das von vielen wilden Flüssen durchspült wird. Hierher verirren sich kaum Touristen. Die Bergsteiger sind so sehr auf den Berg fixiert, dass sie von dem Tal und dem Land nicht viel mit kriegen. Wir waren langsam genug unterwegs um Land und Leute kennen zu lernen. Es ist lustig zu beobachten wie die Leute innehalten und uns anstarren, als wären wir von einem anderen Planeten. Aber auch wir staunen nicht weniger wenn wir die Menschen in ihren Lehmhäusern, oder in ihren Jurten beobachten wie sie ihren Alltag meistern.
Die Wanderung hinauf zum Basecamp wurde mit einem feierlichen Mittagessen in einer Jurte und mit einem Abendessen von "Pamir expeditions" belohnt. 
Der Abstieg und die Rückreise bis nach Jalalabad liefen wie geschmiert: Ein türkischer LKW Fahrer hielt sofort an und nahm uns mit zurück in die Zivilisation. Der LKW war eigentlich leer, trotzdem war er voll mit türkischem Flair: Uns wurde Cay serviert, es spielte laute türkische Musik, und es gab Essen ohne Ende. Ganz genau wie damals in der Türkei.

Wiedermal ein zufälliges Treffen mit Weltreisenden, Kyrgyzstan


Ab Jalalabad wurde es schwierig. Per Anhalter reisen wurde uns dann doch zum Verhängnis. In einem Dorf mit seltsamen Leuten, zwischen zwei Pässen gab es dann kein Vorankommen mehr. Leider, denn die Zeit lief uns davon. Nur mit viel Mühe und Kosten konnten wir über den Pass zurück in zivilisierteres Gelände. 
Wir mussten Zähne knirschend hinnehmen, dass wir nicht alle Highlights in Kirgistan besuchen konnten. Für zwei war noch genug Zeit: Kol Ukok ein kleiner Bergsee und Issyk Kol das Meer von Kirgistan. Letzteren nutzten wir um nochmal zu entspannen, zu baden und die Reise in Kirgistan langsam und gemütlich zu Ende gehen zu lassen. Das ist uns gut gelungen.
Nicht nur die faszinierenden und abwechslungsreichen Landschaft sind einen ist einen Besuch wert, auch die Menschen, Kirgisen, Russen, Usbeken, Uiguren... und dann noch die Reisenden Europäer, Amerikaner, oder Australier die es hier her schaffen sind etwas besonderes. Wir hatten das Glück alte Reisebekanntschaften zu treffen. Zum Beispiel in Cesme auf der Fähre in Richtung Türkei trafen wir die zwei deutschen Radler und jetzt wieder hier in den Bergen von Kirgistan, oder die zwei Französischen Cousins trafen wir zufällig wieder, als wir mit dem LKW vorbei fuhren. Alle kommen hier her um ein Visum in die nächsten Länder zu beantragen. 
Die letzte Nacht verbrachten wir wieder in unserem lieb gewonnen Hostel in Bischkek um am nächsten Tag zurück nach Almaty zu fahren, wo wir dann abheben in Richtung Himalaya...
Die Zeit in Kirgistan verging wie im Fluge. Drei Wochen sind einfach zu wenig!
Eine typische Jurte, Kyrgyzstan


Manu:
Vom Radler zum Backpacker - 
nachdem wir unsere lieben Esek‘s (türk. Esel = Drahtesel) und überflüssiges Gepäck in Georgien zurückgelassen hatten, konnten wir es also kaum mehr bis zum Abflug erwarten: wir tauchen zum ersten Mal in Zentralasien ein und wie wird es ab nun mit Rucksäcken am Buckl auf Reise zu sein...
Doch schon im Flugzeug, als wir auf Land und Wasser runterblickten wurde uns bewusst, dass wir so einiges verpassen. Ein bisschen wehmutig blickten wir auf die „verlorene“ Strecke herab - aber ja, bequem war es schon im Flieger zu sitzen....
In Almaty angekommen war ich zunächst über diese doch sehr moderne Stadt etwas verwundert - für Asien hab ich mir irgendwie schon einen anderen, „ärmeren“ Lebensstandard erwartet. Aber Kazakhstan hat ja die Kohle, da es Öl besitzt welches daher anscheinend in die Städte fließt. Am Land schaut es schon etwas anders aus - vorwiegend Hütten mit Blechdächer zieren den ländlichen Bereich und wo der Hanf übrigens noch wild wächst.
Mein neuer Hut!, Kyrgyzstan


Zugegeben: unsere Räder haben wir in Kazakhstan schon sehr vermisst. Zwar war es teilweise schon sehr heiß, das Abzocken von Touristen allerdings und quasi null Chance für Individualreisende Attraktionen öffentlich zu erreichen, ging mir ordentlich auf den Keks: gutes Beispiel - ein Taxifahrer verlangte für eine Ministrecke in seiner Währung umgerechnet 20.- Euro für ungefähr ein Zehntel einer Fahrstrecke für die wir mit dem Bus beide 7.- gezahlt haben. Seine Umrechnung des Fahrpreises lautete: 20.-Euro (die, er in Tenge angegeben hat) = 100$. Wtf?! Nachdem wir ihn freundlich aufgeklärt hatten, dass diese Umrechnung so absolut nicht stimmt, änderte er einfach den Preis seiner Währung indem er eine 0 dazusetzte. Also wirklich - für Dumm verkaufen lass ich mich wirklich nicht gerne!!! Aber leider ist dies auch immer wieder in Kyrgyzstan passiert - es gibt va. bei Taxifahrten (Sammeltaxis)- aber manchmal auch beim Essen - für Touristen fast immer eigene (doppelt oder dreifach) Preise. Sicher - kommt man direkt aus Europa und weiß von Tüten und Blasen nichts, denkt einer sich: na, das ist aber billig. Wenn du aber auf Reisen bist und ein Gefühl für die Wertigkeit der Dinge bekommen hast, lernst du schnell und reagierst, indem du z.B. zuerst schaust was Einheimische zahlen oder bei diesen den Preis nachfragst bevor du selber zahlst. 
Einheimischer Bazaar am Fuße des Pik Lenin, Kyrgyzstan
Geldgierigkeit - leider ist uns diese immer wieder vor allem bei Menschen, die mit Touristen arbeiten begegnet. Arme Familien hingegen oder diese, die nicht vom Geld anderer abhängig sind, begegneten uns auf unserer Reise immer wieder sehr gastfreundlich - so durften wir uns zB. glücklich schätzen von Kirgisen im Auto mitgenommen zu werden - statt Geld zu verlangen, wurde uns noch ein Kaffee und Kuchen spendiert oder wir wurden in eine Yurte (und zwar in eine authentische - sprich keine für Touristen!!) eingeladen (welches mein heimlicher Wunsch war) oder zu einer armen Familie in ihr Lehmhaus, die uns mit Essen vollstopfte und keine Ablehnung unsererseits duldete. Das Strahlen der Mutter werde ich nie vergessen. Liegt es vielleicht daran, dass auch hier im Lande Kygyzstan viele Muslime (übrigens war gerade Ramadambeginn) sind und deshalb so gastfreundlich reagieren?! Hat der Glaube mit unserem Verhalten etwas zu tun?
Nun, in Kazakhstan langweilten wir uns etwas, obwohl wir auch viele gute und schöne Sachen erlebten und netten Menschen begegneten - aber wir mussten unser Indienvisum abwarten. 
Zu unserer Enttäuschung erfuhren wir, dass wir im Ausland nur 3 Monate Visum für Indien bekommen und dieses ab Ausstellungsdatum gültig ist. Nun, laut unserer Reiseplanung fehlen uns also genau die 20 Tage, die wir nach unserer Nepalreise durch Indien in den Süden nach Sri Lanka wollten. Aber wir haben ja schon gelernt - Pläne ändern sich immer wieder und wahrscheinlich hat das auch seinen guten Grund.
Irgendwo im Kyzyl-Suu Tal, Kyrgzystan

Endlich in Kyrgyzstan: meinem neuen Lieblingsreiseland. Ein Traum! Über 90% des Landes ist bergig und voll mit unglaublich schöner, unberühter Natur und Bergketten. Hier durfte ich auch ganz spontan und ungeplant meinen ersten 4000er - und noch dazu gleich ein 4540er Gipfel besteigen. Wahnsinn! Von 2200m rauf zum Basecamp auf 3300m, Akklimatisierungstag (wichtig!! am zweiten Tag konnte ich kaum 2m bergauf gehen um nicht danach 5min Pause zu machen) und Gipfelsturm (es stürmte tatsächlich so sehr die letzten hundert Meter am Grad kurz vor dem Gipfel) am dritten Tag. Ein Traum! :)
Schöner Bergsee im Pamir Gebirge, Kyrgyzstan


Ohne Räder unterwegs zu sein in diesem wunderschönen Land, hatte Vor- und Nachteile: wir sind viel flexibler unterwegs gewesen und konnten mehr Dinge vom Land sehen, die wir mit dem Rad wahrscheinlich nicht so leicht erreicht hätten oder viel mehr Zeit gebraucht hätte. Ein riesiger (für mich manchmal schmerzhafter) Nachteil war wiederum, dass zu schnelle vorbei rasen an wunderschöner Landschaft und viele Geldausgaben für Transporte. 
Pik Lenin (7134) Base Camp von Pamir Expeditions, Kyrgyzstan
Die „Angst“ nicht mehr so nahe an Menschen heranzukommen, weil wir nicht mehr so langsam mit Rädern unterwegs waren hat sich in Kyrgyzstan in Grenzen gehalten - durch das abenteuerliche Backpacken mit Zelt und per Hitchhiken zu Plätzen, wo nur wenige Touristen hinkommen hat uns glücklicherweise trotzdem Einheimischen näher gebracht.

"Kumus" und Brot von einer Normadenfamilie, Kyrgyzstan

Alles in allem: die Zeit war einfach viel zu kurz und ich komme sicher wieder - am Liebsten mit einer Gruppe begeisterter Outdoorfreunde für Berge, Wasser und Natur. 
Begegnungen mit all den „verrückten“ Gleichgesinnten von überall auf dieser Welt im Camphostel Nomad‘s Home in Bishkek, das Treffen unserer „alten“ Freunde Jana und Alex ganz zufällig in den Bergen von Kyrgyzstan und unseren lieben Franzosencousins auf der Straße, die wunderschönen Berge, die Natur, Seen und vielen Yurten und Tieren mitten in der Berglandschaft und zig hunderte Möglichkeiten zu Trekken und Bergzusteigen - das Land ist auf jeden Fall eine Reise wert meine Lieben!! Und noch dazu: das einzige Land in Zentralasien, wo wir kein Visum benötigen....also - worauf wartet ihr noch? :) Geht auf Reisen ihr Lieben, reist! 


Zufälliges Treffen on the road mit den "deux cousins" aus Frankreich, Kyrgyzstan
Ein kleiner Bergsee nahe Kochkor, Kyryzstan
Eine kleine Wanderung durch die Canyons der Region Ton, Kyrgyzstan
 Zelten am Issyk kol, Kyrgyzstan

Zurück ging es nach Kazakhstan, wo wir eine Nacht am Flughafen in Almaty verbracht haben und nun sind wir bereits in Indien unterwegs...aber das ist eine andere Geschichte... ;)

PS: Gegen Ende des Jahres (ab November) bzw. Anfang des nächsten Jahres befinden wir uns in Süd-Ostasien: Malaysia, Thailand, Laos, Vietnam...hätte jemand Lust und Zeit uns ein wenig zu begleiten??? In Thailand steht Klettern am Programm!! :))

1 Kommentar:

  1. Hallo Manu / Johnathan

    Wir schauen Euch noch immer auf die Finger bzw. Wadeln und haben Euch noch nicht vergessen !!

    ..vorige Woche hab ich (nach Rücksprache mit Markus) - Deine/Eure Trauben geerntet, waren wunderbar

    ..schade, daß ich keine Möglichkeit hatte - Euch einen kleine Kostprobe zu senden

    ..es ist für uns immer wieder schön von Euch zu lesen, und zu wissen, daß es Euch gut geht.

    ..ihr kennt ja meine pers. Meinung zu Eurer Reise - also mir würde der Ar.. auf Grundeis gehen ..

    Ihr aber hab't es geschafft, oder besser Ihr seid noch immer dabei..
    ..und wir zuhause können (eigentlich Stolz) sagen - unsere Nachbarn setzen z. Zt. ihren Traum um - die Welt da draußen kennezulernen

    ..also - auch weiterhin alles Gute - und

    ..irgendwann kommt Ihr ja wieder (hoffen Gesund) nach Hause, dann würden wir uns freuen , Euch wiederzusehen !!

    Grüsse aus der Heimat - von den Gartennachbarn KGV Kagran

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