Donnerstag, 30. Mai 2013

Vierzehnte Etappe: Rad-Endetappe durch das bergige Armenien


Armenien: das Land zwischen den Fronten
We did it! Zielankunft am Sevan See

Unsere Esek's (türkisch: Esel) kurz vorm Ziel

Jonathan:
Von Armenien habe ich nicht viel gewusst, nur dass es ein armes kleines Land ist, dass es früher Teil der Sowjetunion war und solche Dinge.
Jetzt weiß ich mehr. Die Gegend in der sich Armenien befindet ist wie eine Pufferzone von drei Großmächten. Hier treffen sich die arabische, die türkische und die russische Großmacht. Und so kam es, dass sämtliche Konflikte hier ausgetragen wurden. Die Armenier waren nie unabhängig genug um ihre Gegend vor den Konflikten der Großmächte zu schützen. Und so kam es, dass Armenien erst seit 1991 ein unabhängiges Land ist. Das Gebiet in dem Armenier lebten ist eigentlich viel größer als das heutige Land. Armenien ist eingezwickt zwischen zwei Ländern mit denen es sich zerstritten hat. Die Grenzen nach Aserbaidschan und in die Türkei sind geschlossen. Nur nach Georgien und Iran sind die Grenzen geöffnet. Die Wirtschaft ist schwach und die meisten Menschen sind arm.Nichts desto trotz sind die Armenier ein sehr hilfsbereites und freundliches Volk. Ab und zu tappten wir in die Touristenfalle, aber die Menschen die nicht vom Tourismus leben waren sehr nett und hilfsbereit.Die ersten Tage auf dem Fahrrad durch Armenien waren kalt und durchwachsen. Die Sonne zeigte sich nur sehr selten. Regen war unser ständiger Begleiter. Auf die Berge waren wir innerlich vorbereitet. Unser "kaspisches Meer"- den Sevan See im Visier radelten wir fleißig durch Regen und Berge. Eine kleine Abwechslung war der Besuch beim Sanahin Monastery und die abenteuerliche Gondel auf dem Weg dort hin. 
Abenteuerliche Gondelfahrt

Klöster und Kirchen sind übrigens die Schätze Armeniens. Viele von ihnen sind ein Unesco Welt Kulturerbe und mit ihnen versucht Armenien den Tourismus anzukurbeln. Die meisten Armenier bekennen sich zum orientalisch - orthodoxen Christentum. Armenien ist auch das erste Land, welches das Christentum zur Staatsreligion ernannt hat (301). Die meisten Klöster stehen weit weg, oft an sehr ausgesetzten Stellen mit traumhafter Aussicht. Mit dem Fahrrad dort hin zu kommen ist daher eine sehr große Herausforderung.
UNESCO Sanahin Monastery

Der Sevansee begrüße uns mit einem Regenschauer. Nichts desto trotz versuchten wir in Feierlaune zu kommen und unser Reiseziel zu zelebrieren. So richtig geglückt ist es nicht. Kein Baden im kühlen See, nichts mit in der Sonne, am Strand liegen - stattdessen waren wir irgendwo versteckt in einem kleinen Wald im Zelt.
Über eine holprige von Schlaglöchern übersäte Seitenstraße fuhren wir am nächsten Tag weiter, die Gewitterwolken im Nacken, die uns auch immer wieder einholten. Sie bescherten uns dafür eine nette Bekanntschaft mit einem Tankwart, bei dessen Tankstelle wir Schutz suchten. Wir durften in sein kleines Zimmerchen in dem nicht viel mehr war als ein Stuhl, ein Tisch, auf dem ein Computer stand der die Zapfsäulen überwacht, ein Bett und eine wacklige Metallbox für das Geld. Unterhalten konnten wir uns gut, weil er eine Bekannte anrief die Englisch konnte, und so redeten wir mit dem Handy hin und herreichend bis der Regen nachließ.


In Yerewan hatten wir das Glück bei einem armenischen Amerikaner zu wohnen. Die Hauptstadt Armeniens ist sehr schön und erstaunlich wohlhabend. Viel sieht man nicht von der ländlichen Armut. Wir verbrachten viel Zeit in und rund um Yerewan.
Ankunft in Yerevan

Bei unserem Gastgeber konnten wir unsere Räder und unser Gepäck unterstellen um für unsere Ausflüge in die Umgebung nur das wichtigste mit zu nehmen. Zuerst fuhren wir mit dem Fahrrad nach Khor Virap das Kloster am Fuße des Ararat.

Der Ararat ist das Wahrzeichen Armeniens. Es gibt eine Ararat Bank, ein Ararat Bier, Ararat Restaurants, ein Dorf mit dem Namen Ararat und vieles mehr, und doch steht der Berg in der Türkei. Er war früher auf armenischen Gebiet. Der Großteil Armeniens ist heute Türkei. Armenien und Türkei teilen sich eine sehr traurige Geschichte aber dazu nicht jetzt.
Jedenfalls verbachten wir eine schöne Zeit an diesem beeindruckenden Platz und jeder Bergsteiger der in Khor Virap ist und auf den Ararat sieht, dem wird das Wasser im Mund zusammenlaufen so schön ist dieser Berg!
խոշոր Արարատի
Büyük (5137m) Ağrı Dağı
Großer Ararat

Der Nächste Ausflug ging per Bus und Autostopp nach Geghard - ein weiteres Kloster, mindestens genauso beeindruckend, denn es ist aus dem Felsen heraus gemeiselt. Mehrere Räume mit Säulen und geschmückten Wänden, alles aus dem Fels gemeiselt, eine Meisterleistung. Ich war bis jetzt nie in Klöster und Kirchen interessiert, aber die hier in Armenien sind wirklich sehenswert!

Aus dem Plan irgendwo dort in der Schlucht zu übernachten wurde nichts, wir wurden eingeladen von einer sehr netten Familie und durften mit ihnen so richtig feiern - einfach nur feiern, weil wir existieren. Am nächsten Tag brachten sie uns wieder hinauf in die Berge, wo wir unsere Wanderung fortsetzten.
Hier der Link zum Video das ich für sie gemacht habe:
http://www.youtube.com/watch?v=4KzRthKtLMY
Thumbnail
Erlebnisse wie diese machen die Reise wertvoll und unvergesslich, wir hatten eine Menge Spaß obwohl wir kein Armenisch, oder Russisch können und sie konnten nur 5 Worte Englisch. Genug für einen unterhaltsamen Abend.
Unser dritter Ausflug führte uns in den Süden Armeniens. Goris ist eine kleine Stadt von der es nur noch ein Katzensprung in den Iran, nach Aserbaidschan, oder in die Region Nagorno- Karabakh, ein Land, welches von der internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt wird und eigentlich nur mit armenischer Hilfe überlebt.
Goris selbst wird begrenzt durch eine wunderschöne Berglandschaft und Steintürmen die denen von Kappadokien in der Türkei um nichts nach stehen. Genau dort stellten wir unser Zelt auf, um am nächsten Morgen früh genug nach Tatev, das Kloster aller Klöster in Armenien, aufzubrechen. Vom Kloster weg planten wir eine lange Wanderung entlang einer imposanten Schlucht. Der Plan ging auf, aber nicht ohne Schwierigkeiten. Das Wetter hat uns wiedermal eine Lektion erteilt: Auf über 2000hm ist es kalt, wenn es regnet und alles nass ist! Außerdem verloren wir den Weg und wir landeten an einem steilen rutschigen Hang mit extrem dichten Gebüsch. Nach einer halben Stunde fanden wir wieder einen Weg. Die Strapazen lohnten sich. Wir wurden belohnt mit ein wenig Abendsonne, einem riesigen Regenbogen und einem Zeltplatz mit bombastischer Aussicht. Die Sachen waren alle nass aber es gelang uns ein Feuer zu machen und wenigstens den Schlafsack und die wichtigsten Sachen einigermaßen trocken zu kriegen.
Atemberaubender Blick: Vorotan Gorge

Der nächste Tag war ziemlich genau das Gegenteil: sonnig, heiß und alles klappte wie am Schnürchen. Wir fanden eine schöne Badestelle am Fluss, danach fuhren wir per Autostopp nach Yerevan zurück in unser vorübergehendes Zuhause.

Von Lilit, unserem armenischen Engel wurden wir an unserem letzten Tag in Armenien zu einem vorzüglichen Abendessen eingeladen. Lilit half uns sehr viel in Armenien und sie erzählte uns viel über Armenien und seine Sehenswürdigkeiten. Sie setzt sich stark für den Tourismus in Armenien ein. Hier ihre sehr informative Homepage:
www.wonderlandarmenia.com
Nach dem Essen fuhren wir zum Bahnhof - jeden zweiten Tag fährt ein Nachtzug nach Tbilisi. Mit unseren Fahrrädern und dem Gepäck hatten wir keine Probleme. Mit einem sehr unterhaltsamen Inder verging die Zeit recht schnell und wir landeten sicher wieder in Tifilis.

Armenische Linienbusse

Manu:
Armenien hat bis jetzt den freundlichsten Grenzübergang überhaupt. An der Grenze fragte man uns nach unser Lieblingssportmarke während nebenbei ein bunter Stempel in unseren Pass abgefertigt wird. Unsere ersten Worte mit dem Beamten: "Barhi orh" - ein Lächeln -"First time armenia?" - "yes, aaah - ajo!" - wieder ein Grinsen. "Good luck!" - darauf wir "schnorrhakalutsjun" - lautes Gelächter und fröhliches Gewinke zum Abschluss. Aber wieso denn eigentlich "Good luck" frag ich mich?...
Das Glück hat mit uns des öfteren ein bisschen gespielt: Kaum in Armenien angekommen begleiteten uns stets Regenwolken bis nach Yerevan. Ohne Geld über die Grenze, mussten wir feststellen, dass es nicht ganz so einfach ist überall Geld abzuheben oder zu wechseln - Bankomaten gibt es nur in den größeren Städten und die erste war eine Tagesetappe weit entfernt....in Alaverdi angekommen, das erste Mal im Leben 100.000!! Dram abgehoben und dabei ganz schön geschwitzt - und im Gedanken - wie viel Kohle braucht man denn eigentlich hier? ging es zur ersten - nein nicht Kebab oder Döner - hier in Armenien heißt es Shawarma-bude und zum ersten Aha-Effekt: hier ist es doch etwas billiger...
Glück hatten wir, als wir mit der Gondel zum Monastery die Schlucht rauffuhren (100Dram!=0,19Cent für eine Fahrt) und danach feststellen, dass uns ein (nicht funktionierendes) Hinterlicht und meine Katzenaugen gestohlen wurden: "eigentlich barmherzige Diebe", dachte ich mir, denn unser sämtliches Gepäck mit Wertgegenständen wurde nicht angerührt. Hatte dies etwa etwas mit dem "Good luck" des Grenzbeamten zu tun?!
Ehrung meines tapferen Esek's - versteckt,  mitten im Wald
Finale!
Die letzten Kilometer haben wir uns noch ordentlich abgestrampelt - sind 1000hm bei Nebel und eisiger Kälte rauf, fast alles wieder runter um dann wieder auf 2000m auf einen Pass rauf zu müssen, wurden dort von den Tunnelwächtern auf einen Kaffee eingeladen und sicher durch den Tunnel geleitet. Danach liessen wir gemütlich unsere Esek's (seit der Türkei, nenne ich so liebevoll meinen Drahtesel) bergab auf unser Ziel, den Sevan See zurollen. Und als er dann da war, ging mir durch den Kopf: "und das soll es jetzt gewesen sein?! Da ist das Ende?" So richtig in Feierstimmung war uns einfach nicht zumute, vielleicht auch wegen der vergangen eher trüben Tage...
Erst am nächsten Tag hat Jonathan mir eine Art Trophäe aus Birkenrinde mit vielen Blumen gebaut und wir gönnten uns Mannerschnitten, die wir kurz vor der Grenze in Georgien im Regal erblickten und unser Herz aufblühen lies. Nun ja, ein bisschen stolz auf die vergangen 220 Tage und 5700m sind wir schon :))
5700km, 220Tage, 10 Länder
Auch die letzte Nacht vor Yerevan soll uns in Erinnerung bleiben: irres Gewitter und Hagelschauer während wir im Zelt lagen - am nächsten Tag brauchten wir die rund 200m vom Acker-Zeltplatz bis zur Straße und bis wir Abfahrtbereit waren ca. 2 Stunden. Tja, der Schlamm hat einfach unsere Räder und Füße blockiert...
Outdoor-aha-Effekt: Nach einer Regennacht im Acker gibt es Schlamm!
Die ersten Tage in Yerevan waren leider sehr Nervenaufreibend: wir versuchten es zum vierten Mal bei der Botschaft von Kazakhstan - rein gar nichts stand hier auf Englisch! Und kruzifix auch rein gar nichts auf lateinischer Schrift! Ein großes Fragezeichen tat sich auf. Und als wir ein Foto machen wollten, um wenigsten die Öffnungszeiten übersetzen zu lassen, sprang jemand aus einem Auto "no! no photo!" - als wir ihm dann mit Hand und Füßen erklärten "wir können nichts lesen!!" hieß es, der Konsulat sei noch auf Urlaub und käme erst Ende der Woche...."Das gibt's doch nicht!!!"
Beim fünften Mal durften wir dann endlich auch rein: doch da das Visum hier viel teuer und der Konsulat sich -entschuldigung- NÜSSE über diverse Visumsarten auskennt, entschieden wir uns früher nach Georgien zurückzufahren um dort noch das Visum zu beantragen. Zugegeben, wir waren etwas frustriert... 
Und ja, ich war noch mehr frustriert, als wir am selben Tag bei unserem Couchsurfer-Host feststellen mussten, dass unsere sämtlichen Reifen keine Luft mehr hatten, weil (anscheinend) Jugendliche lustig sein wollten....was war denn hier nur los?!
Erst langsam und mit viel Motivation von Jonathan konnte ich mich langsam wieder aus der Tiefstimmung und Demotivation herausholen und als dann endlich wieder die Sonne schien und wir Pläne für diverse Ausflüge schmiedeten war ich wieder guten Mutes.
Während unseren Ausflügen durch Armenien wurde mir auch wieder so richtig bewusst, warum ich unterwegs war: diese wunderschöne und größtenteils unberührte Naturlandschaft, Blicke auf atemberaubende Schluchten und Berge sowie die Herzlichkeit so vieler Menschen sind so unglaublich lebensbereichernd.
Pudelnass den verdienten Ausblick, die Sonnenstrahlen und das Leben genießen
Wann seid ihr zuletzt auf einen Fremden zugegangen, habt ihm Hilfe angeboten, oder ihn/sie sogar mit nach Hause genommen um mit ihm/ihr das Leben und seine/ihre Existenz zu feiern, habt ihn/sie mit dem Auto stundenlang mitgenommen und mittendrin von einem armen Jungen auf der Straße Blumen für ihn/sie gekauft (ja, mir wurden tatsächlich Blumen von unserem netten jungen Armenier, der kein Wort Englisch konnte einfach so gekauft und überreicht! und dass, obwohl 2/3 der Armenier arbeitslos sind!) etc....
Es tut so gut zu spüren, dass soviel Herzlichkeit in allen Länder dieser Welt existiert! Lasst uns diese Herzlichkeit verbreiten!
Mein neues absolut Lieblings-Dankeswort dazu: Schnorrhakalutsjun!!
Wir satteln um!
"Aber wie geht es nun weiter?", fragt ihr euch vielleicht:
Wir satteln um!
Unsere Räder lassen wir in Tiflis stehen und unsere Packtaschen werden gegen riesige Rucksäcke ausgetauscht - ab 10.Juni sind wir also offizielle Backpacker :)
"Und wo soll es hingehen?"
Nachdem wir leider leider nicht in den Iran können und Aserbaidschan uns nicht überzeugen konnte, hat uns unser lieber Couchsurfer-Host in Trabzon Zentralasien sehr schmackhaft gemacht :) 
Ein Aufruf an euch: Falls jemand Lust und Zeit hat, uns zu besuchen - wir würden uns wirklich riiiiieeeesig freuen!! Und ehrlich gesagt täte es mir wahnsinnig gut, wieder ein bisschen Heimat um mich herum zuhaben!! :))


Hier liste ich euch unsere ungefähre Reiseroute auf (Pläne ändern sich ja immer wieder...):
Kazakhstan (ab 10. Juni; Nationalparks)
Kirgisistan (Juli; Interessant für alle Bergsteiger!!!)
Nordindien (August; wwoofen&Buddhismus)
Nepal (September; woofen&Bergsteigen- na, wer hat Lust?!)
Indien von Nord nach Süd (Anfang-Mitte Oktober)
Sri Lanka (Oktober/November; wwoofen&Papa treffen und rumfahren)
ab Mitte November bis ins Frühjahr geht es dann weiter nach Myanmar, Thailand, Laos, Vietnam & ev. weiter....

Falls ihr Sightseeing-/Geheimtipps für diese Länder habt oder uns irgendwann & irgendwo besuchen wollt: bitte melden!!!
Ihr Lieben - so wie es momentan aussieht kommen wir frühestens im Frühjahr 2014 zurück :)

Dienstag, 14. Mai 2013

Dreizehnte Etappe: Georgien: Batumi - Akhaltsikhe - Tblisi

Ankunft im 9., uns noch fremden Land - Georgien
Nachtrag vom 17.April - 06.Mai 2013
Jonathan: Georgien ist ein Land mit vielen hohen Bergen. Das kann ich jetzt bestätigen! Die ersten Wochen in Georgien waren nicht leicht für uns. Das Land ist extremer, und wilder als die Türkei. Als wir von der türkischen Grenze nach Batumi fuhren, wussten wir nicht was uns erwartet.
Seit Trabzon war das Wetter kühl und feucht. Die Bedingungen waren nicht ohne und so leisteten wir uns seit langem wieder ein Hostel in Batumi. Und siehe da, wieder trafen wir Fahrradfahrer. Zum ersten mal trafen wir einen Österreicher (mit Ski auf dem Fahrrad)! Und zwei Engländer. Mit ihnen und den Franzosen teilten wir Freud und Leid bis kurz vor Tiflis und an Freud und Leid wurde nicht gespart. Wie so oft entschieden wir uns für die abenteuerliche Straße nach Tiflis. Unsere Tagesetappen waren kurz aber knackig. Von der futuristischen Stadt Batumi fuhren wir gleich nach Osten in ein tiefes, langes Tal, welches wir bis zum Ende fuhren, um über einen mehr als 2000m hohen Pass nach Akhalzikhe zu fahren. Und von da an folgten wir dem Lauf des Flusses Kura bis in die Hauptstadt.

Batumi
Diese Etappe war meiner Meinung nach mit Abstand die Extremste. Das Wetter wollte nicht so ganz mit spielen, als wir in Richtung Pass unterwegs wahren. Die Bewohner der Bergdörfer sparen nicht mit Alkohol und so kam es, dass uns der (wir vermuten) Bürgermeister eines kleinen Dorfes mit seinem Freund und viel Schnaps im Gepäck unseren Zeltplatz besuchte.

Cachaca-Feier mit Einheimischen
Die Etappe am nächsten Tag wurde entsprechend kürzer. Für die nächsten Tage schmiedeten wir einen guten Plan, wie wir den hohen Pass überqueren wollten: Am Tag eins weit hoch fahren und am Tag 2 früh aufstehen um den zugeschneiten Pass sicher überqueren zu können. Guter Plan - aber nichts wurde daraus. Wieder kam uns eine Art Bürgermeister entgegen. Diesmal ein noch höheres Kaliber. Das schwarze moderne Offroad-Auto blieb stehen und feine Herren in sauberen Anzügen stiegen aus, alle umzingelten sie den einen, wie Bodyguards. Sie putzten ihm den Sakko, hielten sein Handy, waren gute Diener. Jedenfalls dieser Herr lud uns ein im Hotel zu schlafen, das sich auf dem höchsten Punkt des Passes befindet. Es war abends aber die versprochenen 10 -12 km bergauf sollten sich knapp ausgehen. Und so schickte uns der Mann aus dem schwarzen Wagen in ein riskantes Abenteuer.

Der Bürgermeister und seine Gehilfen
Der Berg wollte nicht aufhören - aus den 10 km wurden 15 und noch mehr aus der Straße wurde ein Weg mit tiefen Wasserrinnen, gefolgt von Schneeverwehungen, es schneite und der Wind wurde stärker. Zum warm Anziehen keine Zeit, so weit konnte es nicht sein. Es war bereits dunkel. Das Hotel war zu verlockend: Ein Bett, einen warmen Raum, warm duschen...
Die Gruppe teilte sich auf, ich war irgendwo in der Mitte, immer wieder sah ich die Taschenlampe der Engländerin aufleuchten - sonst nichts. Und dann, kurz bevor ich gaanz erschöpft war kam ein alter Kleinbus angekrochen - hinten leer. Mit Hand und Füßen erklärten wir dem verdutzten Man wo wir hin wollen. Wir sammelten die anderen ein. Pete der Engländer war schon oben. Das einzige was ich noch konnte war schnell, wie ein ferngesteuerter, alles auspacken ins warme Haus bringen und hinsetzen. Und dann wurde mir übel, ich musste mich hinlegen.

Xtreme Pass - 2025m
Die restlichen Tage bist Tiflis konnte ich mich nicht richtig erholen. Aber es wurde wärmer und es ging meistens bergab und der Wind kam meistens von hinten. Bis auf eine Verkühlung, einen Platten bei mir und beim Franzosen zerschlissene Bremsbacken und Manus gebrochener Radlspeiche haben wir die Tour gut überstanden.

Platten richten
Und jetzt hat es um die 30°C und wir sind wieder in einem sicheren billigen Hostel untergebracht. Wie schön wenn ein Abenteuer gut ausgeht. Hoffentlich geht es so weiter....
Georgien's wunderschöne Landschaft
Manu: 
Ehrlich gesagt - kein schöner Abschied war's von der Türkei und ein Kulturschock für mich, als wir zur Grenze kamen. Schon an der Grenze in der Schlange zur Passkontrolle wurden wir von Georgiern? oder Russen? weggedrängt und so musste ich mich erst an diese neue Mentalität gewöhnen.... Kein Muezzin weckt uns mehr in der Früh, dafür wurden wir von Einheimischen zu Wein, Käse aber leider auch viel zu viel Chacha eingeladen - gut für uns, dass wir ab Batumi in einer 6er Gruppe unterwegs waren und zumindest wir beide von einem Kater am nächsten Tag verschont blieben....

Ösis, Franzosen und Engländer-Treffen im Hostel
Ich machte mir ein wenig Gedanken, als wir beschlossen, den südlichen Weg über einen 2000hm Pass zunehmen, obwohl wir eigentlich wussten, dass das Wetter die nächsten Tage nicht gut sein werden. Die Gruppe aber versuchte mich zu besänftigen und versicherte mir, dass wir jetzt eine Art Gemeinschaft sind und wir es also schaffen werden.... soweit gut. Nur wussten wir da noch nicht, dass ein Bürgermeister unsere gute Taktik (kurz vor dem letzten sehr steilen und langen Anstieg übernachten) mit Honig ums Maul schmieren durchkreuzen wird....und so kam es, dass wir uns alle überanstrengten - für Jonathan, der vorher schon angeschlagen war leider fatal. 

Eisige Verhältnisse
Bikergang
Er zog die Konsequenz bis nach Batumi mit und als sein Körper sich endlich wieder erholen konnte, schlugen die Viren um sich...und wie ein Faden zog sich unsere kleine Schicksalssträhne weiter - wir kamen wegen Erschöpfung zu spät zur Botschaft unseres ersten Landes, wo wir Backpacken wollen...nicht so schlimm, dachten wir - kommen wir halt zum nächsten möglichen Zeitpunkt - tja, aber seit zwei Wochen sind nun georgische Feiertage und Feiertage von dem Land, wo es hingehen soll (jaja -ihr erfährt es bald! ;)) 
So also entschieden wir uns, weiter zu reisen und es später nochmal zu versuchen. Unsere erste Probetour mit Rucksäcken ging nach Kazbegi/Stepantsminda - die Räder und Packtaschen im Hostel zurückgelassen, fuhren wir ca. 3h auf 1740hm hinauf entlang der Georgian Military Road Richtung Russland (die Grenze ist seit einem Jahr wieder offen!!). Spannend!!!! Atemberaubend! Am Pass gibt es keinen Asphalt - riesige Schlaglöcher und Bäche sowie Wasserfälle von oben rinnen charakterisieren diese einzigartige Straße. Hunderte Trucks und Autos quälen sich rauf, fahren auf die gegenüberliegende Fahrbahn, da diese um einen Hauch besser erscheint - und daneben diese wunderschöne Berglandschaft und Schluchten - alles in allem eine "Mund-offen-stehenlassende-Angelegenheit" (aber Vorsicht - es staubt! ;) )...

Mittem im großen Kaukasus
Die folgende sonnenstrahlenden Tage verbrachten wir in den von uns geliebten Bergen - schliefen in der Nähe der Gergeti Trinity Church neben einer ukrainischen Expedition auf fast 2000m, die am nächsten Tag zum Kazbek aufbrechen wollten und sich akklimatisierten, stiegen auf 3000m zur Schnee/Gletschergrenze Richtung Kazbek rauf und mussten dann aber leider wehmütig Bergsteigern zuschauen, die auf den Gipfel wollten (wo treffen wir Österreicher?? - natürlich am Berg!!!!) - wir aber haben einfach leider kein geeignetes Equipment dabei... 

Gergeti Trinity Church in atemberaubender Lage
Aber eines sind uns sicher: wir kommen auf alle Fälle wieder!! 
Mit einem Fuß schon am 5000er (Mt. Kazbek 5033m)
Zurück in Tiflis treffen wir kurz wieder auf unsere französischen Freunde, die leider einen Zahnradbruch hatten und eine Tagesetappe zurück wieder ins Hostel mussten. Ich hatte übrigens auch eine Panne nach unserem legendären Pass - eine Speiche ist gebrochen, wurde aber von flinken georgischen Fingern (die wir eeeewig suchen mussten) in Tiflis wieder geflickt :)

Begegnungen mit Einheimischen: kurz vor Tiflis wurden wir von einer georgischen Familie eingeladen - wir durften in einer schlichten Wohnung schlafen, bekamen georgisches Essen serviert und wurden am orthodoxischen Palmsonntag mit in die Unesco Kirche von Mtskheta genommen - durften dort einen Einblick in die Feierlichkeiten gewinnen. Wir hatten das Gefühl, sie wollten uns gar nicht mehr gehen lassen...didi madloba!!

Begegnung mit Einheimischen
Das Essen in Georgien ist übrigens köstlich! Es ist eine Kunst Khinkali (flüssig gefüllte Teigtaschen) zu essen ohne viel zu patzen...und die Art, wie sie ihr Brot backen - herrlich!
Nach unserem Kazbegi-Ausflug machten wir uns zum letzten Mal mit dem Rad auf den Weg ins etwas eingezwickte, ärmliche Armenien - unterwegs zu unserem Ziel...

Traditionelles Brotbacken

Dienstag, 30. April 2013

Zwölfte Etappe: Quer durch die Türkei: Lake district - Zentralanatolien - Nordostküste

Nachtrag März-14.April
Manu: Zugegeben - sehr schwer haben wir uns getan uns aus der Gemütlichkeit und der Gastfreundschaft unserer Gastgeber am Burdur See loszureißen...aber wir wollen ja noch ein kleines bisschen mehr von der Erde entdecken...bei besten Wetter und nach kurzer Einführung ins Teppichknüpfen ging es also durch den sogenannten Lake district der Türkei, weil hier viele wunderschöne Seen liegen. Unsere Wege kreuzten sich mit einem weiteren französischen Radler, der am Weg zurück in seine Heimat ist, einen Australier, der seit 8 Jahren unterwegs ist, mit gebrochenen Schlüsselbein fährt und einen Tag vor unserem Treffen seine 20.000!!! km am Rad erreicht hat. Wahnsinn! 
Übrigens an alle alleinstehenden Frauen: ich weiß jetzt wo all die gut aussehenden und aufregenden Männer stecken! :P

Ich beim Teppichknüpfen
Nun, da die Türkei doch recht groß ist und unsere Zeit auf drei Monate begrenzt war, entschieden wir uns weniger interessante Etappen (ua. eine wahnsinnig laaaaange Steppenetappe) mit dem Bus nach Konya und einen Tag später weiter nach Nevsehir zu fahren um endlich nach Kappadokien, dem größten und spannendsten Abenteuer-Kinderspielplatz für Klein und Groß zu kommen. Dort suchten wir uns eine Höhlenwohnung aus, um für zwei Nächte zu schlafen und all die Valleys zu erkunden. Unglaublich wunderschön - das Wetter jedoch leider weniger..

Uçhisar 
...und was die Türkei ausmacht sind diese wunderschönen Begegnungen mit den Menschen, die uns ein wenig kennenlernen wollten...die Firma New Holland, die Familie in Konya, die uns nicht auf unseren Couchsurfer vor der Türe warten lassen wollte, der Friedhofswächter, der mir zeigte wo ich Wasser holen kann und uns auf einen Kaffee genau im richtigen Moment, als ich von der Touristenfalle Göreme flüchtete einlud und mich wieder auf den Boden der Realität zurückbrachte...
Kappadokien - ich komme wieder!!

Chai-Einladung in der Firma New Holland
Eigentlich dachten wir, dass die Zeit in der Türkei knapp werden konnten - in Trabzon verbrachten wir einige Tage, um uns wieder neu zu ordnen. Unsere Reiseziel und unsere Reiseroute soll sich ändern...so versuchten wir zunächst das Iranvisa zu bekommen, denn in Trabzon dauert dieses zu bekommen 2h und was haben wir nicht schon für wahnsinnig spannende und aufregende Berichte von anderen Reisenden gehört, die uns alle Iran als DAS Reiseziel empfahlen. "Leider" kam uns die Wahl im Juni dazwischen und so war es uns nicht so einfach, sodass wir es aufgaben und eine neue Route überlegen mussten. 
So, nun lass ich die Katze aus dem Sack und schreibe euch, dass Aserbaidschan NICHT unser Radreiseziel sein wird. Vor allem deshalb nicht, weil das Visa teuer ist und wir uns nicht wirklich mit dem Land anfreunden können/konnten. So wollen wir lieber Armenien aufsuchen, um danach wieder zurück nach Tiflis zu kommen und weiterzufliegen - allerdings ohne unseren Rädern. Die Entscheidung fiel uns jedoch gar nicht leicht. Das Kaspische Meer als Endziel unserer Radreise wäre doch ein so Schönes...aber Pläne ändern sich. So haben wir den Sevan See als unser "Kaspisches Meer"-Ziel erwählt. Unsere weitere Reiseroute allerdings wollen wir aber noch nicht aus dem Sack lassen... ;)

Unser Dschungelcamp
Die türkische Nordküste zusammengefasst: Kühl, Regen, Wolken, Tee- und Haselnussplantagen, betrunkende Türken, türkisches Bergsteigen der anderen Art, erstes & sehr leichtes Autostoppen, Weltradlertreffen kurz vor der georgischen Grenze, ein weiterer Ösi mit Ski am Radl im Highspeedtempo von Österreich nach Georgien und der doch recht abrupte Abschied aus der Türkei...

Bicyclemeeting: Europe goes East (france-italy-austria)

Ich komme auf alle fälle wieder! Die Vanregion und Istanbul fehlen uns noch und die türkische Gastfreundlichkeit ist einfach unbeschreiblich einzigartig. Wenn ich an die Zeit vor der Abreise zurückdenke - die Türkei war für mich ein Land, dem ich eher skeptisch gegenüber stand - so sind mir die Türken in Wien eher nicht angenehm in Erinnerung...jetzt aber habe ich ein wenig mehr Einblick in deren Religion und Mentalität und ich schätze sie sehr. Ich freu mich auf ein Wiedersehen! 

Teşekkürler Türkiye!



Jonathan: In der letzten Zeit sind wir weit gekommen, ohne viel zu Radeln. Wir haben die luxuriösen türkischen Buse genommen und sind schnell im Nordosten der Türkei gelandet. 

"Ha, sogar zwei Radln passen in meinen Bus" - Gedanken eines stolzen Busfahrers
Nur die "Highlights" auf dieser Strecke haben wir mit dem Radl entdeckt. Und das hat sich auf jeden Fall gelohnt. Wir sind vom Burdursee los geradelt, vorbei am "Egirdir Gölü und am"Beysehir Gölü" Das sind zwei wunderbare Seeen, die nur wenige nicht türkische Touristen besuchen. Um von dem einen See zum Anderen zu gelangen wählten wir wieder einmal eine unserer Abkürzungen.

Egirdir Gölü 
Wie immer nehmen diese viel mehr Zeit in Anspruch als der übliche Weg. Es ging weit weit hoch über Feldwege zu einem kleinen Bergdorf. Dort sagte man uns wir seien auf der falschen Straße, wir müssten wieder zurück den Berg hinauf und dann links.... Als Trösterchen brachte uns die Frau etwas Brot und Käse. Was für ein Glück im Unglück. Wenigstens um das Mittagessen mussten wir uns keine Sorgen mehr machen.
Hindernisse wurden uns definitiv nicht erspart auf diesem Weg. Auf den letzten Kilometern landeten wir in einem Bach. Aus welchem Grund auch immer, leitete man das Wasser eines Baches genau auf unseren Weg. Umdrehen stand nicht zur Debatte die Asphaltstraße konnten wir schon sehen, also Augen auf und durch! 
Auf dem Weg in den Norden legten wir einen Stopp in Kappadokien ein. Eine Weltberühmte und einzigartige Gegend. Viele Touristen zieht es dort hin. Kein Wunder, denn die Gegend ist wirklich etwas besonderes. Historisch, geologisch, und kulturell gesehen ist das ein unglaublich besonderer Ort.  Drei Vulkane und viele viele Jahre Erosion haben diese bizarre Gegend erschaffen. Ich fühlte mich wie ein Entdecker,  überall haben die Menschen Löcher in die Felsen gebuddelt, Wohnungen mit mehreren Stockwerken, Kirchen, alles in den Fels gehauen. Nur für ein paar ganz besonders gute gelegene und gut erhaltene "Löcher" muss man Eintritt zahlen, alle anderen kann man auf eigene Faust erkunden... und der Tag vergeht wie im Fluge. Schwupps waren drei Tage vorbei und wir mussten weiter wieder in den Bus, nach Trabzon. 

Ballontouristen frühmorgens über Kappadokien
Die Übernacht Busfahrt war nicht gerade eine entspannte, aber wir haben sie überlebt und so sind wir verschlafen bei einem sehr netten "Couchsurfer" gelandet: Sedat ein Vollblut - Abenteurer  der die Welt auf dem Motorrad entdeckt. Er betreibt ein nagelneues modernes Studentenheim - das erste was man sieht wenn man es betritt, ist eine 16 m hohe Kletterwand. Das war der ideale Platz zum Entspannen!

Tja, Österreicher können's besser ;) 
Wir mussten uns allerdings den sehr strengen Hausregeln unterwerfen und so mussten wir getrennt schlafen: Manu auf der Damenhälfte und ich auf der Herrenhälfte. In der Mitte durften wir uns treffen.
Sobald wir wieder im Sattel saßen ging das Abenteuer weiter! Der nächste Couchsurfer lud uns zum "türkisch Bergsteigen" ein: Wir fuhren mit einem angeheiterten, übernächtigten Fahrer auf den Berg aßen, tranken vertraten uns die Füße und fuhren wieder zurück ins Tal. Ich war froh, als wir wieder daheim bei unseren netten Gastgebern waren.

Türkisches Bergsteigen mit Barbeque am Karagölü
Übrigens haben wir zum ersten Mal in der Türkei unser Glück mit Autostoppen versucht und es war typisch türkisch würde ich sagen: Wir waren 5 Leute und wir starteten um halb elf Abends - kein Problem für den netten Fahrer in dem kleinen Wagen, der schon nach 2 Minuten anhielt. Und auf der Rückfahrt waren wir zu viert - kein Problem für den LKW, der eigentlich sofort anhielt. Sie waren zwar schon zu zweit aber für uns zwei und die zwei Südkoreanerinnen räumten sie das Bett hinter den Sitzen schnell leer und irgendwie passten wir alle 6 gut hinein. Alle hatten Herzklopfen, als wir die Polizei am Straßenrand sahen. LKWs werden oft angehalten. Schnell das Innenlicht ausmachen und hoffen.... Glück gehabt - uns wollten sie nicht kontrollieren. 
Auf den letzten Km in der Türkei hatten wir das Glück ein französisches Pärchen auf Fahrrädern zu treffen - auf einmal waren sie hinter uns und seitdem reisen wir gemeinsam...

Der Abschied fiel schwer...

Freitag, 29. März 2013

Elfte Etappe: Türkische Süd-Westküste: Bodrum-Antalya & Burdur See

Eine Stadt in weiß - Bodrum
Manu (vom 22.03.2013): Da sind wir nun wieder.... Langsam geht hier die Internetverbindung, so schnell vergeht die Zeit - und so passieren leider auch unvermeidbare Schicksalsschläge. Es kommt mir bereits wie eine Ewigkeit vor, als wir Bodrum, das uns eigentlich wegen dem starken Tourismuseinfluss gar nicht sehr behagte unsere Rasttage bei lieben Menschen gut verbachten und ihnen auch ein bisschen aushelfen konnten, indem wir Fenster putzten. Zeki, der Besitzer eines Appartment-Hotel hat uns warmherzig und in türkischer Gastfreundlichkeit bei sich aufgenommen. Wir werden sein Lächeln, morgentliches Kreuzworträtsel lösen, seinen Humor und seine Intelligenz stets in Erinnerung behalten - doch leider ist er vor kurzem von uns gegangen. Wir hoffen, dass seine Appartmentanlage, die er mit Liebe selbst aufgebaut auch in seinem Sinne weitergeführt wird und am Leben erhalten bleibt. Dir Doris und den restlichen Familienmitgliedern wünschen wir viel Kraft sowie, dass du dein Zuhause noch finden wirst! Danke für alles!!
Statt Tunnel, Schokibelohnung am Pass
Jonathan: Mir ist aufgefallen, dass die Zeit, seitdem wir in der Türkei sind sehr schnell vergeht und wir nur langsam voran kommen. Sehr weit sind wir nicht gekommen seit Bodrum und doch ist schon Ostern! Das heißt nicht, dass uns langweilig ist in der Türkei, oder dass wir müde sind. Nein, es gibt hier so viel zu erleben und zu erkunden. Außerdem werden unsere Fahrräder langsam alt. Immer wieder haben wir kleine Pannen. Mein Gepäckträger ist mit einer Schnur stabilisiert, der Frontroller wurde schon zum zweiten mal geschweißt und mein Sattel hält nur noch mit Tape zusammen. Jetzt wurde er noch mit einer alten Kinderhose überzogen...Aber es geht noch.

Manu: Dankbarkeit - diese verspürte ich bei dieser langen Etappe besonders oft: eine ältere Frau schenkt uns ein Kringerl in Bodrum, ein Trafikant bringt uns einen Stuhl während wir warten, Arbeiter luden uns auf einer bergigen Nebenstraße in ihre Container zum Mittagessen ein, eine Bewohnerin lief uns mit selbst gemachten Süßigkeiten nach und in Kinike wurden wir sogar quasi von der Straße aufgeklaubt und zur Übernachtung mit nach Hause zu einer türkischen Familie gebracht. Einfach so. Sie haben alle nicht viel Geld - trotzdem teilen und geben sie was sie haben - ohne Gegenleistung zu erwarten. Es fällt mir nicht immer leicht einfach anzunehmen, ohne zurückgeben zu können - wir lassen sie jedoch ein Teil unser Reise sein, erzählen ihnen von uns und bringen frischen Wind in ihr Haus, in ihr Leben. Auch unseren Gastgebern in Akyaka, Fethiye und Antalya bin ich dankbar, dass sie uns ein gemütliches Plätzchen und die Gelegenheit gaben warm zu duschen, uns die Umgebung zeigten und uns in die türkische Lebensweise und Traditionen einführten. 

Internationales Volunteerteam in Pastoral Vadi
Manu: Kurz vor Fethiye - in Pastoral Vadi - und Nähe Karakent beim wunderschönen Burdur See in Lisinia entschieden wir uns freiwillig zu arbeiten, um noch bessere Einsicht in das Land und für die Menschen zu haben. Eine wunderschöne, bereichernde Erfahrung! Wir durften auf dem Feld und in der Küche mithelfen, türkisch kommunizieren und andere Volunteers aus der ganzen Welt kennenlernen. Jonathan hat sogar einen Vortrag in einer Schule gehalten und im Fernsehen waren wir auch!!

Jonathan: Wir hatten gleich zweimal eine lange Pause. Bei Fethiye und bei Burdur. Beide Betriebe hatten Gemeinsamkeiten und Gegensätze, beide wollen die Welt gesünder machen, werben damit so ökologisch, so gesund zu sein und das sie sich für eine bessere Welt einsetzen und in beiden Betrieben spielen freiwillige Arbeiter eine wichtige Rolle. Und doch gehen sie äußerst unterschiedliche Wege. Pastoral Vadi war unsere erste Farm. Wir wurden herzlich aufgenommen, wir durften unser Zelt neben dem Haus aufstellen (die vielen leeren Ferien Bungalows sind nicht für Volunteers), alles wurde uns erklärt, von Arbeits- und Essenszeiten bis zu was wo wächst. Morgens pünktlich um 9:00 ist Arbeitsbeginn, gleich nach einer Stunde ist Pause, dann wieder arbeiten.... Alles hat seinen Rhythmus, tagein - tagaus. Wir konnten an einen schönen Platz neben dem Fluss zelten und es war sehr angenehm so einen geregelten Tagesablauf zu haben. Kurz gesagt: Wir gehorchten den Befehlen und bekamen dafür unser Essen. Die Arbeit war allerdings ein wenig eintönig. 
Baden beim Butterfly Valley

Manu: Die Südwest Küste der Türkei ist reich an wunderschöner Landschaft und Geschichte - und was gibt es Schöneres, als diese mit dem Rad bei strahlendem Sonnenschein und Frühlingsbeginn abzufahren! So überlegen wir den Lycian Wanderweg von Fethyie bis Antalya irgendwann mit Jugendlichen gemeinsam zu entdecken. 

Entscheidungen - noch immer fällt es uns nicht leicht an Kreuzung mit verschiedenen Möglichkeiten eine Entscheidung zu treffen - fahren wir weiter auf der großen Straße und entgehen somit eventuell mühsamen Bergetappen oder nehmen wir lieber die Nebenstraße, wo weniger Verkehr ist....und ist es nicht oft im Leben so, dass wir uns schwer tun eine Entscheidung zu treffen um dann auch mit der Konsequenz zu leben? Ist es nicht immer einfach bequemer breiten, bereits geebneten Wegen zu folgen, die von vielen begangen werden, als kleine individuelle Wege zu wählen, welche vielleicht mühsamer sein mögen - aber sind sie nicht viel schöner und lassen uns zu einem Individuum wachsen, welches seinen eigenen Weg entdeckt? Nicht viele Menschen gehen eine Reise wie wir sie tun ein, wagen sich mit dem Rad in die weite Welt - auch mich hat viel Überwindung und Mühe gekostet aufzubrechen, loszulassen, mich nicht von negativen Meinungen, Warnungen, Sorgen etc. von Menschen beeinflussen zu lassen, stark zu bleiben - mein Leben selbst in die Hand zu nehmen, meinem Traum, meinen Weg zu wählen und selbst treu zu bleiben! Anfangs war mit noch nicht ganz so bewusst, worauf ich mich da eingelassen habe - aber nun nach über 4000km muss ich zugeben doch mit ein wenig Stolz Menschen hier in der Türkei auf türkisch und mit Hand und Füßen zu erzählen wie weit wir schon gefahren sind. :)
Ich kann also nur jeden empfehlen: Ja, es ist schwer aufzubrechen, sich von alten Mustern zu lösen, eingefahrenen Wegen abzuwenden, loszulassen, Dinge aufzugeben und sich gegen Meinungen der Liebsten zu stellen und nicht nur von diesen beeinflussen zu lassen - aber es ist es allemal Wert! Erst, wenn wir uns bewusst für etwas entscheiden, auf unser Herz hören, erst dann findet das Leben statt, hier spürt ich mich wieder - nur so kann ich, können wir wachsen!  
4000km geschafft. Der Esel kann's beweisen!
Romantischer Zeltplatz auf Nebenwegen 
Unsere Engel aus Finike 
Letzte Rast vor Antalya
Manu: Hier in Lisinia wurde unter anderem ein Projekt für Krebsprävention geboren - Menschen hier in der Umgebung werden aufgeklärt, wie wir unsere Umwelt und somit auch uns vor Schäden schützen können. Dazu zählt auch, wie wir unser Leben leben. Ich bin mir sicher, dass meine Krankheit, meine Krebserkrankung mich aufgeweckt hat und mich deshalb auch kritisch auf unser routiniertes (Stadt)Leben schauen lässt: Tagein tagaus hetzen wir Menschen auf der ganzen Welt durch die Gegend, arbeiten und schuften hart um zu Sparen um irgendwann einmal sich dieses oder jenes leisten zu können - wir alle leben dabei zu selten im Jetzt und Geld is(s)t nicht alles! So schnell kann alles durch Schicksalsschläge vorbei sein. Vielleicht hat mich meine Erkrankung ein bisschen aufwecken und bewusst werden lassen, dass wir unseren Wünschen und Träumen einfach JETZT folgen sollen....und deshalb also befinde ich mich nun hier am Burdur See mitten in der Türkei, in einem Nomadenzelt mit einem lesenden Engländer, einer Amerikanerin und drei Türken, einem singenden Jonathan sowie einem Holzofen und Katzen während draußen der Sturm weht und die selbst gemachte Linsensuppe am Herd köchelt...
Wildanimal Rehabilitationcenter & Anti-Cancer Project Lisinia (www.lisinia.com)
Jonathan: In Lisinia bei Burdur kamen wir an, man begrüßte uns mit einem Essen, zeigte uns das Nomadenzelt in dem wir nächtigen durften und das war es dann. Es gibt keinen geregelten Tagesablauf, die Arbeitszeiten richten sich nach Lust und Laune und ein wenig nach Befehlen vom Chef, gegessen wird nur wenn jemand Essen macht.... Kurz gesagt wir haben uns gefreut wenn es Arbeit gegeben hat! Die war dann sehr interessant und lehrreich aber man braucht schon ein gewisses Maß an Selbstständigkeit um in Lisinia nicht zu verzweifeln und selbst Disziplin, um nicht stink faul zu werden. 
Ich muss beiden Chefs hoch anrechnen, was sie da aufgebaut haben: In Pastoral Vadi wunderschöne Bungalows und ein riesiges Lehmhaus für Yoga, Konzerte... und in Lisinia ein Projekt gegen Krebs und für Naturschutz und Natur Bildung sowie das zweite Projekt das Wildtier - Rehabilitationszentrum. Da muss bei beiden Männern eine starke Vision dahinter stecken, die sie antreibt so etwas zu machen. Das finde ich so bewundernswert. Ich bin froh dass wir uns die Zeit genommen haben bei diesen netten, interessanten Menschen zu bleiben. Übrigens war Zeki aus Bodrum genau so ein bewundernswerter Mensch, der viel in seinem Leben erreicht und aufgebaut hat und ein sehr interessantes Leben gehabt hat!
Lavendel pflanzen beim Burdur See
Manu: (vom 28.03.2013): Meine erste Krankheitsetappe hab ich nun auch überstanden - eine leichte Verkühlung gefolgt von einer heftigen Dünnpfiffattacke in Lisinia. Kaum unter Menschen, da schwirren halt auch die Viren von Einem zum Anderem...
Hier in Senir sind wir herzlichst von einem deutschen Türken und seiner Familie aufgenommen worden - und ich hoffe, dass ich helfen konnte, indem ich die Tochter von unserem Gastgeber auf Facebook gefunden und Kontakt aufgenommen habe, die er seit 15 Jahren nicht gesehen hat - bzw. sehen durfte...es sind oft nur so kleine Dinge im Leben, die wertvoll sein können...

Jonathan: Hier in Senir haben wir noch einen sehr interessanten Menschen getroffen: Ich würde sagen sie ist das Juwel von Senir. Eine 110 Jahre alte Frau, eine Ururur- Oma. Von ihren Kindern ist noch noch eines am Leben. Sie war die ganze Zeit nur hier in der Gegend. Sie hat uns erzählt, dass sie als Kind den 1. Weltkrieg überstanden hat. Ein Erdbeben, und eine Flut haben 90 % der übrigen Dorfbewohner dazu bewegt auszuwandern. Alle ihre Kinder sind nach Deutschland. Mittlerweile kommen ihre Nachfahren nach und nach wieder zurück ins Dorf. Wenn es wieder wärmer ist dreht sie ihre tägliche Runde im Dorf.
Ich habe sie gefragt wie sie das gemacht hat so alt zu werden, ich würde das auch gerne! Sie hat gesagt, dass sie mir wünscht nicht so alt zu werden... 
Von ihrer Tochter, die sie pflegt und meiner Meinung nach selbst Pflege verdient, haben wir Tee und Zuckerl serviert bekommen. Wir sind in ihrer Wohnung gesessen und haben die beiden bewundert!
Dank der netten Familie bei der wir gerade untergebracht sind, und die auch irgendwie mit der alten Oma verwandt ist, durften wir sie kennen lernen. Danke dafür!!
Das Juwel aus Senir ist 110 Jahre alt!
Jonathan: Fazit der gesamten Zeit: Das Leben ist unglaublich interessant und wenn man langsam reist, lernt man wunderbare Menschen kennen mit wunderbaren Geschichten. So stelle ich mir das Reisen vor!!Leider reisen nicht alle so wie wir. Unterwegs sind wir durch die Tourismus-Zentren der Türkei gefahren. Vor allem die Gegend rund um Antalya und Bodrum ist mit riesigen Hotelanlagen, eine neben der anderen, eine größer und luxuriöser als die andere, zugebaut. Man könnte sagen die Tourismus-Industrie frisst die schöne Landschaft und die Kultur. Die Menschen sehen in uns herumlaufende Bankomaten, an jeder Ecke drängen sich Leute auf, versuchen uns irgend etwas anzudrehen, prahlen mit ihren Sprachkentnissen. „Welcome, herzlich willkommen, benvenuti!! Amigo, my friend, mein Freund!!!“..hört man überall, als hätte man beim Vorbeigehen den Bewegungsmelder aktiviert und beim nächsten Geschäft hört man das gleiche wieder...Wir wurden von unserem Gastgeber nach Pamukkale kutschiert, die Touristen Attraktion schlechthin. Ein unglaublich faszinierender Platz muss das gewesen sein, ein wahres Weltwunder, vor allem als die Römer dort gewohnt hatten. Jetzt aber nicht mehr. Der Tourismus hat zu viel zerstört.